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Der Adventskalenderengel

Als ich ein Kind von vier, vielleicht fünf Jahren war, hatte die Weihnachtszeit einen besonderen Glanz. Plätzchen rochen nicht einfach nur nach leckerem Gebäck. Weihnachtspätzchen waren kostbare Schätze die es nur in der Vorweihnachtszeit gab. Nicht wie heute, da man die Leckereien schon kaufen kann sobald der Sommer sich dem Ende zuneigt.

Noch heute liebe ich Zimt auf Vanilleeis und heißen Apfelstrudel, weil es mich an das Gebäck meiner Mutter erinnert. Ja, damals war die Welt noch in Ordnung.

In einem Jahr, ich ging in den Kindergarten, ließ der Zauber der Weihnacht plötzlich nach. Ich begann zu hinterfragen und nahm mir vor dem Christkind einen Wunschzettel zu schreiben. Ob ich schon schreiben konnte weiß ich heute nicht mehr, doch als wissbegieriges Kind und um nicht den Aussagen meiner großen Schwester zu trauen was  es im Fernsehen gab, hatte ich mir die Buchstaben schon vor der Schule selbst beigebracht.

Vielleicht malte ich die Wünsche auch einfach auf den Zettel. Selbst wenn ich mich heute nicht genau erinnere wie ich meinen Herzenswunsch auf Papier brachte, weiß ich doch noch sehr genau was ich mir damals wünschte.

Ich hatte die bunten Bilder des Adventskalenders genau studiert und wusste wie ein Engel auszusehen hatte. Auf meinem war eine Vielzahl der kleinen Himmelsboten abgebildet und ich wollte nichts sehnlicher als einmal in meinem Leben einen solchen Engel sehen.

An einem Morgen in der Vorweihnachtszeit, meine Mutter stand immer zeitig auf und lüftete das ganze Haus durch, schlich ich mich ins Wohnzimmer ans offene Fenster und platzierte meinen Wunschzettel auf der Fensterbank nach draußen. Dann legte ich mich auf die Lauer um zu beobachten wie ein Adventskalenderengel meine Wünsche abholte.

Ich saß fünf Minuten in der Kälte, beobachtete den Himmel und starrte in dir Dunkelheit des klaren Wintermorgens, als plötzliche ein Engel heranschwebte und sich vorsichtig meinem Wunschzettel näherte. Ich sah genau wie seine goldenen Flügel glänzten wie leuchtend das himmelblaue Kleidchen sich im kühlen Wind bewegte und wie er mit zarten Fingern nach meinem Zettel griff um einen Blick darauf zu werfen, als meine Mutter das Zimmer betrat und schimpfte ich würde mir den Tod holen, wenn ich mir nicht was überziehen würde.

Nur einen Moment in dem ich abgelenkt war; der Engel war fort und mit ihm mein Wunschzettel.

Aufgeregt erzählte ich was ich gesehen hatte, wobei mir natürlich kein Mensch glaubte. Am selben Tag fand ich eine goldene Locke auf der Straße vor unserem Haus. Meine Schwester meinet das sei Tannenbaumschmuck den irgendjemand verloren hätte und zog mich mit meiner Annahme es handele sich um eine Strähne des Haares meines Weihnachtsengels auf. Ich ließ die feinen Fäden liegen, weil ich schon groß sein wollte wie sie. Im Nachhinein wünschte ich mir, ich hätte sie behalten. Nur ich weiß, dass alles genauso passiert ist wie ich es hier erzähle, denn ich traf den Engel viele Jahre später wieder. Zwar konnte ich ihn nicht mehr sehen, doch ich spürte seine Anwesenheit deutlich.

Ich war dreiundzwanzig als meine Mutter starb und ich vermisste sie mit jedem Jahr das verging mehr. Gerne hätte ich ihr noch gesagt, dass ich sie liebe. Ich kann mich an ihre weiche Haut erinnern, wie sie mir aus ihrem Krankenbett die Wange strich und mich fragte ob ich Sehnsucht hätte. Sie war sehr Krank und der Tod eine Erlösung. Ich betete viel in dieser schweren Zeit. Nach außen verleugnete ich meinen Glauben, doch im inneren glaubte ich fest.

Viele Jahre später, inzwischen war ich ende dreißig, traf ich durch Zufall auf ein Medium, welches mir den Kontakt zu meiner verstorbenen Mutter ermöglichte. Ich suchte nach einem Haken an der Sache, ließ es mir lange Zeit durch den Kopf gehen und bestellte dann einen Jenseitskontakt.   

Am Vorabend des Readings stand ich in meinem Wohnzimmer und die Zweifel an der Sache plagten mich, als ich plötzlich an meinen Weihnachtsengel denken musste. Einfach so, ohne ersichtlichen Grund fiel er mir in diesem Moment wieder ein und ich bat im Stillen, wenn etwas dran sei an dieser Geschichte, sollte meine Mutter den Engel erwähnen den ich als Kind sah.

Wenige Tage später erhielt ich einen langen Brief der in den Worten meiner Mutter geschrieben wurde. Die Wortwahl, die Aussagen, alles las sich als ob sie selbst ihn verfasste. Die Krönung des Briefes allerdings war ein Satz, ein einziger Satz der mich von seiner Echtheit überzeugte.

Das Kind sah einen Engel.

Meinen Weihnachtsengel, sie hatte ihn erwähnt und mir wurde leicht ums Herz.

Seither ist Weihnachten für mich ein Stück Heimat, ganz gleich wo ich bin.

Oh ja, ich liebe Weihnachten sehr und in jedem Jahr keimt ein wenig Hoffnung wenn ich des Nachts am Fenster sitze und auf meinen Engel warte.

20.12.10 21:24
 


bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Briefkasten Karsten / Website (22.12.10 13:16)
Das stimmt früher gab es die Weihnachtsartikel nicht so früh im Handel und man hat sich dann noch auf Stolle und Co gefreut. Weihnachten ist eine besinnliche Zeit und ich freue mich schon darauf. In diesem Sinne frohe Weihnachten.

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